Making of - Fine Art Photography in Action

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Die Welt der Spionage ist eine Welt im prinzipiell Verborgenen. Unsichtbarkeit und Undurchschaubarkeit sind essenzielle Lebenselixiere. Transparenz könnte tödlich sein. Von dieser spannenden Sphäre lebt auch der Agentenfilm mit seinen überraschenden Wendungen. Wie lässt sich diese fesselnde Sphäre in das Genre der künstlerischen Fotografie transformieren? Indem man das Vieldeutige und Undurchschaubare visuell inszeniert und mit genau gewählten Chiffren gewisse Spuren legt.

Ralf Schellen sagt über das Making-Of der Spy Art Edition: „Jedes Bild lebt von drei Grundelementen, die sich künstlerisch im Sinne einer Collage durchdringen und jeweils eine eigene Geschichte erzählen.“ Das erste Element ist das kino-plakative Spy Girl, wie es uns in vielen Leinwand-Thrillern begegnet. Das zweite Element bilden die Inspirationen, die Schellen für seine Arbeit aus Agentenfilmen bezieht. Und das dritte Element konstituiert die künstlerische Adaption von zentralen Themen, die in Spionage-Thrillern eine treibende Rolle spielen. „Für jedes dieser drei Grundelemente habe ich bei jedem Einzelmotiv der Spy Art Edition eine eigenes Bild, eine individuelle Bildsprache gewählt und visuell in die Gesamt-Komposition des Motivs eingearbeitet.“ Man könnte folglich von einem tertiären Aufbau dieser bildstarken Fotografie sprechen.

Aus Bildern wird e i n Bild

Die Komposition am Beispiel des Motivs Attack from Above

Ralf Schellen erläutert sein künstlerisches Vorgehen am Beispiel des Motivs 023 der Edition. Titel: Attack from Above. Das Spy Girl bildet das Grundelement Eins - hier mit einer kaum sichtbaren Pistole. „Eine coole Erscheinung, wie unbeteiligt, aber gleichwohl hochgefährlich und letal – eine mysteriöse Figur, deren Geheimnis durch die fast verdeckte Schusswaffe noch vertieft wird.“ Grundelement Zwei zeigt sich, eher schemenhaft als glasklar, im Hintergrund des Motivs. Es ist das Hauptgebäude des legendären britischen Auslands-Geheimdiensts MI6. Ralf Schellen: „Es steht hier als Symbol für das Spionage-Genre schlechthin. Die Aufnahme des Bauwerks entstand eigens für diese Edition.“ Grundelement Drei stellt gleichsam eine (administrative) Ikone der Agenten-Welt dar: Der Top Secret-Stempel, der signalisiert, dass wohl offenbar brisante Dokumente nur für einen kleinen Kreis von Eingeweihten zugänglich sind. „Der Stempel erinnert an Filme, in denen der Schriftzug als Aufdruck auf Geheim-Akten erscheint, beispielsweise auch Schriftstücken von desertierten Agenten. Der Stempel suggeriert Geheimnis, aber auch Gefahr und Verrat.“

Alle drei Gestaltungs-Elemente werden in einer Collage zusammengefügt und durchdringen sich geeint. So entsteht ein individuelles Gesamt-Kunstwerk von eigenständiger Präsenz.

Zur Dramaturgie der Spy Art-Kompositionen gehört auch das Prinzip, immer wieder singuläre kleinere Bildelemente in das Gesamtkunstwerk zu integrieren –rätselhafte Details, die den Betrachter animieren, sein eigenes Spionage-Drehbuch anhand der visuellen Spuren fürs Kopf-Kino zu schreiben. Prägend für die Bildsprache sind auch die betont cinematische Farbgebung der Motive und deren signifikantes 16 x 9 TV-Breitbildformat.

So inszeniert jedes der 25 Einzelwerke der Spy Art Edition ein jeweils eigenes Spiel voller narrativer Andeutungen und interpretatorischer Möglichkeiten. Liebhaber des Spionage-Genres und seiner Klassiker werden möglicherweise Komponenten einiger Motive dechiffrieren und dahinter real existierende Agenten-Filme vermuten. True or not true? Diese gekonnt vage Unschärfe, diese kreative Vieldeutigkeit gehört eben elementar zum (insgeheimen) Vergnügen an der Spy Art Edition.